Das letzte und das erste Mal bei der Studenten-Weltmeisterschaft


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Philipp Müller – Deutscher Mitteldistanz- und Hochschulmeister 2016

Bei der Studenten-Weltmeisterschaft WUOC in Miskolc (Ungarn) vom 31. Juli bis zum 04. August 2016 gehen auch Philipp und Moritz vom Post SV Dresden an den Start. Kurz vor der Abreise stellten sich beide den Fragen

 

Hallo Philipp,

Das wird nun Deine letzte Studenten-WM. Du hast schon einige Erfahrungen bei internationalen Meisterschaften gesammelt. Was waren Deine besten bisherigen Platzierungen?

Vor dem Elitealter (bis 2008) bin ich relativ viel für das Nationalteam gestartet. Danach gab es, vor allen wegen des Studiums, jahrelang keine großen Meisterschaften für mich (die Studenten-WM 2010 als Ausnahme). Dieses Jahr muss diese Durststrecke mal beendet werden. 🙂

Die besten internationalen Ergebnisse habe ich wohl bei Jugend-EMs erreicht mit der Bronzemedaille in der Staffel und Platz 10 und 11 in Einzelentscheidungen. Beim Junior European Cup kam ich auch mal auf Platz 7. Aber was später zählt ist nur, wie man sich in der Elite entwickelt und etabliert.

Du wurdest dieses Jahr als Herren-Infokader berufen. Ist da die Nominierung für die Studenten-WM in Ungarn selbstverständlich oder wie fühlst Du Dich?

Die Infogruppe ist ja kein Teil des eigentlichen Nationalkaders. Offiziell durften nur Nationalmannschaftsläufer mit zur Studenten-WM. Aber da Christoph Prunsche und ich uns in dieser Saison gut gegenüber den B-Kader-Läufern durchsetzen konnten, bekamen wir eine Ausnahme, worüber ich mich natürlich freue.

Favorisierst Du mehr den Sprint oder die Walddisziplinen? Welche Platzierungen hast Du im Visier?

Seit die Spezialisierung darauf immer mehr zunimmt, bin ich im Sprint-OL nicht mehr sehr konkurrenzfähig. Die Wald-Disziplinen kann ich hingegen als meine Stärke bezeichnen, da habe ich ja dieses Jahr schon bei drei deutschen Höhepunkten über ganz unterschiedliche Distanzen gewinnen können (DBK Ultralang, Deutsche Hochschulmeisterschaften und DM Mittel). In Deutschland vorn dabei zu sein, heißt aber international gar nichts. Es kann gut sein, dass wir uns alle an einer Platzierung unter den ersten 30 die Zähne ausbeißen. Schön wäre es, in Richtung Top 20 vorzustoßen.

Wie geht es nach dem Abschluss des Medizinstudiums weiter? Bleibst Du da dem Orientierungslauf und der Nationalmannschaft erhalten?

Im Dezember werde ich mit dem Studium komplett fertig sein. Dann werde ich meine Doktorarbeit zu Ende schreiben. Wo es währenddessen und danach hin geht, ist noch völlig offen und wird von beruflichen, privaten und sportlichen Faktoren abhängen.

Auf jeden Fall ist der Einstieg ins Berufsleben als Arzt im Krankenhaus sehr schwer mit Leistungssport vereinbar, aber ich habe trotzdem Lust, eine tragbare Lösung zu finden.

Wir drücken die Daumen und wünschen eine schöne Zeit in Ungarn.

 

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Moritz Döllgast – Herren-B-Kader 2016

Hallo Moritz,

Du hast schon einige Erfahrungen bei Jungend-Europameisterschaften und Juniorenweltmeisterschaften gesammelt. Nun bist Du das erste Mal bei der Studenten-WM der Herren dabei. Was waren bisher Deine besten bisherigen Platzierungen?

Ich konnte bei der JEM mehrmals in die Top 20 laufen und bei der JWM war ich sogar einmal Neunter. Aber das ist nichts im Vergleich zu den Elite-Wettkämpfen. Hier fange ich wieder am Fuß einer großen Leiter an und muss mich langsam hocharbeiten.

Du wurdest dieses Jahr auf Anhieb als Herren-B-Kader berufen. Freust Du Dich oder ist der Druck bei den Herren sehr groß? Ist die Nominierung für die Studenten-WM in Ungarn selbstverständlich?

Ich bin froh, direkt in den B-Kader gekommen zu sein. So kann ich optimal von den anderen profitieren und mich in meiner weiteren Entwicklung an ihnen orientieren. Es gibt eine gesunde Konkurrenzsituation bei jedem großen Wettkampf an dem ich teilnehme. Der Weltcup in Polen und die EM in Tschechien in diesem Jahr waren noch sehr holprig. Aber ich weiß immer besser, was mich erwartet. Daher sehe ich die Studenten-WM als absoluten Höhepunkt der Saison. Für die WM in Schweden hätte es sicher nicht gereicht. Da ist der Rückstand zur deutschen Spitze noch zu groß. Aber in wenigen Jahren ist das für mich auch nicht unmöglich. Ich bin auf jeden Fall motiviert für die Zukunft.

Favorisierst Du mehr den Sprint oder die Walddisziplinen? Welche Platzierungen hast Du im Visier?

Eher die Walddisziplinen. Aber zu einem anspruchsvollen Sprint sage ich auch nicht nein. Ich werde versuchen, in Ungarn sowohl beim Sprint als auch im Wald in die vordere Hälfte zu laufen. Mit der Staffel (falls ich laufen darf) ist sicherlich eine Top 10 Platzierung angepeilt.

Wie geht es nach dem Abschluss des Studiums weiter? Bleibst Du dem Orientierungslauf und der Nationalmannschaft erhalten?

Ich bin jetzt bald für ein Jahr in Schweden für ein Praktikum und will dort auch O-technisch besser werden. Und natürlich werde ich weiter versuchen, für das Nationalteam zu laufen und zur Herren-Spitze aufzuschließen.

Wir wünschen einen guten Start bei den Großen und eine schöne Zeit in Ungarn.

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Moritz, Philipp und Matti – Deutscher Staffelmeister 2016

Ja eigentlich hätte man die amtierenden deutschen Staffelmeister vom Post SV Dresden 1:1 zur WUOC nach Ungarn schicken können…aber es ist entschieden: die Studenten-WM und auch die WM in Schweden werden ohne Matthias Kretzschmar stattfinden.

 

Hallo Matti,

Was ist passiert? Du hattest Dir einiges für diese Saison vorgenommen?

Definitiv hatte ich mir viel vorgenommen. Nach der „Vornominierung“ für den WM-Sprint letztes Jahr aufgrund meiner OL-Leistungen und der im Endeffekt verpassten Bahnnorm, war die „Rücknominierung“ von der WM ziemlich hart für mich. Aber schnell hatte ich mir neue Ziele mit der EM in Tschechien und der WM in Schweden im Folgejahr gesetzt. Und selbst mit der Studenten-WM, als eventuellen „Ersatz“ für die richtige WM, gab es noch ein lohnenswertes Ziel für den Sommer. Das Wintertraining lief auch bis in den März rein sehr gut und nach Plan. Mein Ziel, die WM-Bahnnorm bis spätestens Anfang Mai zu laufen, war ziemlich realistisch. Zusätzlich habe ich noch ein Trainingslager sowohl in WM- und EM-relevantem Gelände gemacht. Aber bereits da habe ich schon Schmerzen in der Achillessehne gespürt. Diese zwangen mich zunächst zu ausschließlich alternativem Training unter der Woche und zu einer Teilnahme nur an den allerwichtigsten Wettkämpfen. Schlussendlich laufe ich seit der Jukola gar nicht mehr, habe meine Nominierung für die Studenten-WM zurückgezogen und bin gar nicht erst zu den Qualifikationsläufen für die WM nach Schweden mitgefahren.

Ist so eine Studenten-WM eigentlich nur so eine zusätzliche Sommer-Abwechslung, bei der sowieso nicht die Weltspitze am Start ist, die ja 2 Wochen später um die WM-Titel in Schweden kämpft?

Keine Frage, dass eine Studenten-WM vor allem in der Breite etwas schwächer besetzt ist als die richtige WM. Aber ich finde sie ist dennoch ein sehr wichtiger internationaler Höhepunkt. Für mich war die WUOC 2014 die Haupttrainingsmotivation und das Sprungbrett um wieder an die nationale Spitze zu kommen und mich zu empfehlen. Aber auch für gerade erst aufgestiegen Junioren (siehe z.B. Moritz), die noch keine Chance haben sich für eine WM zu qualifizieren, sind diese Läufe eine tolle Trainingsmotivation.

Favorisierst Du mehr den Sprint oder die Walddisziplinen? Welche Platzierungen traust Du den deutschen Läufern in Ungarn zu?

Meine Vorliebe sind die Walddiziplinen. Mit der Langstrecke komme ich ergebnistechnisch etwas besser klar als mit den Mittelstrecken. Bei letzteren hatte ich meist den einen unsauber angelaufenen Posten, der einen sehr guten Lauf und damit auch ein entsprechendes Ergebnis verhindert hatte. Aber auch einen technisch anspruchsvollen Sprint (leider in Deutschland eher eine Seltenheit) laufe ich gerne.

Bei der letzten Studenten-WM war ich in Sprint und Lang jeweils auf Platz 37. Für dieses Jahr hatte ich unter einem normalen Trainingsaufbau Platzierungen in den ersten 20 angestrebt. Unseren Postlern Philipp und Moritz traue ich definitiv auch Platzierungen im TOP 20-Bereich zu. Bei Bjarne kann es eventuell sogar in die TOP 10 gehen.

Wie steht es um Deine Ausbildung / Studium? Hast Du schon Zukunftspläne? Bleibst Du trotz des Rückschlages dem Orientierungslauf und der Nationalmannschaft erhalten?

Durch die in den letzten Jahren immer mehr gestiegen Trainingsumfänge, die vermehrten Trainingslager und Nationalmannschaftseinsätze und vielleicht auch das etwas fehlende Lauftalent, blieb mir kaum eine andere Möglichkeit als mein Studium etwas zu strecken. Da mir aber die Erfüllung meiner sportlichen Ziele sehr wichtig war und ist, habe ich das soweit in Kauf genommen. Mit einem kleinen Nebenjob und der Unterstützung meiner Eltern, war das allerdings möglich. Diesen Monat habe ich dann am „Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik“ angefangen meine Diplomarbeit zu schreiben. Die Zukunft sieht so aus, dass ich vermutlich Anfang 2017 mit Arbeiten starten werden. Mit einer 100%-Anstellung ist Leistungssport auf dem geforderten Nationalmannschaftsniveau, aber auch mit meinen eigenen Ansichten ausgeschlossen (Umfang, Regeneration, Anzahl Urlaubstage für Trainingslager und Wettkämpfe). Eine Teilzeitanstellung kann ich mir im Moment eher nicht vorstellen. Außerdem sah und sehe ich auch immer die Schwierigkeiten mit dem sozialen Umfeld etwas kritisch, die sich durch den Leistungssport ergeben. Auf Dauer belastet mich das zumindest ziemlich, dass sich meine Freunde und Familie, aber vor allem meine Freundin, immer (!) nach meinem Zeitplan richten müssen. Und wer mich kennt, der weiß, dass ich was das Training angeht nicht sehr flexibel bin, was Reibereien vorprogrammiert.

Im Moment kann ich nicht sagen, ob ich der Nationalmannschaft treu bleibe, da bei meiner Verletzung noch kein Ende in Sicht ist. Dem OL werde ich aber, solange die Beine mich tragen, erhalten bleiben. Sowohl als Wettkämpfer, als auch als Wettkampfveranstalter, aber auch gerne als Trainer, das ist selbstverständlich.

Wir wünschen Dir gute Besserung und einen gelingenden Neustart.

 

Alle Infos und Live-Ergebnisse zum Mitfiebern unter: http://www.wuoc2016.hu/index.php/en/

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